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Panorama

Die ursprüngliche Aufgabe des Panorama-Programms war, die Filme der kommenden Arthouse-Saison zu inspirieren und zu entdecken. Filme aus 32 Ländern- oder besser gesagt "kulturellen Regionen" -sind aus mehr als 1600 neuen Filmen ausgewählt worden. Wie im vergangenen Jahr besteht das Panorama-Programm aus einem Hauptprogramm (22 Titel) und den Reihen Panorama Special (22 Titel) und Panorama Dokumente (11 Titel). Zusätzlich werden 21 Kurzfilme als Vorfilme präsentiert.

Series 7 Das Panorama ist eine Reflektion des Digitalzeitalters der Filmproduktion. Sechs digital produzierte Spielfilme machen fünfzehn Prozent des Programms aus - das entspricht prozentual in etwa dem Angebot, dem sich die Auswahl 2001 gegenüber sah. Charakteristisch an den ausgewählten Filmen ist die extrem brutale Nähe zu den Figuren, so dass sogar kaum Platz zum Atmen bleibt. Dies kann man sehen in: Daniel Minahan's Series 7, der die in die Sackgasse geratene Imagesucht amerikanischer Individuen regelrecht demaskiert; in Bernard Rose's ivansxtc oder in Maximilian Moll's Dokumentarfilm The Dark Side of Daren. Mit ähnliche Mittel beschriebt der Grieche Stavros Ioannou in Klisti Dromi (Roadblocks) die katastrophale Lage kurdischer Flüchtlinge in Europa, während Sang-Soo aus Korea die radikale Energie einer Gruppe entwurzelter Jugendlicher in Nunmul (Die Tränen) zeigt. Zoom, eine deutsche Produktion von Otto Alexander Jahrreiss, erzeugt mit den Möglichkeiten digitaler Postproduktion die besondere Bildästhetik dieser modernen Liebesgeschichte.

Lost and Delirious Es besteht ein steigender Trend, Frauen mehr Bewegungsfreiheit einzuräumen. Das trifft auf Filme aus Ungarn und Italien ebenso wie solche aus Spanien, Frankreich, den USA und Kanada zu. Besonders Mädchen rücken ins Blickfeld: so im kanadischen Film Lost and Delirious von Léa Pool , in Domenica der Italienerin Wilma Labate oder in der Kino-Dokumentation Gaea Girls der Britinnen Kim Longinotto und Jano Williams.

Auch junge Menschen werden älter - so stellen sich unbequeme Fragen nach Verantwortung und ihren Konsequenzen. Solche Themen werden geraten aneinander in Filmen wie Late Night Shopping von Saul Metzstein (Großbritannien), Las Razones De Mis Amigos von Gerardo Herrero (Spanien), Solo Por Hoy von Ariel Rotter (Argentinien) und in dem US-Indie-Film Don's Plum von RD Robb, in dem Leonardo DiCaprio brillant einen machistischen Widerling an der Seite von Tobey Maguire gibt. Der Film wurde bereits 1996 gedreht, aber erst kürzlich fertiggestellt werden konnte, so dass dies seine Weltpremiere wird.

Maelstrom Nord-Amerika meldet sich stärker zurück: Mit neun Spielfilmen, zwei Dokumenten und fünf kurzen Beiträgen. Neben der bereits erwähnten neuen Schonungslosigkeit der Digitalfilme, gibt es noch diese "Schauspielerfilme": Julie Johnson mit Lili Taylor und Courtney Love, Maelström mit fantasievolle Erkundungen des Innenlebens von dem kanadischen Regisseur Denis Villeneuve; oder frische Stimmen aus dem Underground wie Hedwig and the Angry Inch, ein Film nach dem Off-Broadway-Erfolg von John Cameron Mitchell - es ist die kantige Geschichte eines Jungen, der1988 von Ostberlin nach Kansas ausgewandert ist.

Europas Stärke liegt in seiner Unterschiedlichkeit. Aus dem Löwenanteil von 23 Spielfilmen läßt sich keinerlei Leitmotiv verfolgen, so unterschiedlich sind die Filmsprachen, die Themen und die Stile. Ein starkes Jahr für Europa jedenfalls mit rabenschwarzer Unterhaltung von Jean-Jacques Beineix (Mortal Transfer), ausfallenden Sets und Kostümen von Gérard Corbiau (Le Roi Danse / Der König tanzt), finster und sensibler Jugendlichen-Stimmung von dem irischen Jungregisseur Irin Kirsten Sheridan (Disco Pigs) oder realistischem Erzählkino von Hannes Stöhr (Berlin Is in Germany) und dem ungarischen Filmemacher Péter Gothár (Paszport / Pass).

Das schweizerische Unternehmen Yello-Film nimmt mit einem fantastischen Film teil: Dieter Meier's Lightmaker entführt in ein unterirdisches Reich voller Unberechenbarkeit. Margherita Buy ist der Star in Peter Del Montes Controvento (Gegen den Wind); SylvieTestud und Julie-Marie Parmentier spielen die Schwestern Papin in Jean-Pierre Denis' Les Blessures Assassines (Mörderische Dienstmädchen), der Mordgeschichte aus den 30er-Jahren, die Jean Genet angeregt hat "Die Zofen" zu schrieben. Die Weltpremiere von Kira Muratovas ukrainischer Produktion Vtorostepennye Ljudi (Menschen zweiter Klasse) schildert die Welt der Neureichen und der Verzweifelten in einer "Horrorfilm-Parodie mit Liedern und Tänzen".

Asien ist mit sechs Produktionen prominent vertreten: der japanische Kult-Autor und Komponist Jinsei Tsuji entrollt in Hotoke eine Portraitlandschaft eigenwilliger Charaktere. In Nippon No Kuroi Natsu - Enzai (Darkness In The Light) des Bären-Preisträgers Kei Kumai geht es um die Giftgasattentate in Matsumoto und auf die Tokioter U-Bahn. Der Hongkong-Chinese Herman Yau nimmt sich in From the Queen to the Chief Executive der Ereignisse um den Hoheitswechsel Großbritannien/China an und rollt ein lange vergessenes Verbrechen wieder auf.

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